MitarbeiterInnen in der Pflege fühlen sich als Helden - „Heldenkampagne“ zieht erfolgreiche Zwischenbilanz

Erfurt, 12. Mai 2016. Alexander Kunz weiß genau, warum er den Pflegeberuf erlernt hat. „Natürlich will ich nah am Menschen arbeiten. Aber der Beruf ist auch ein Stück Hilfe für mich.“ Der junge Mann, der im AWo Seniorenpark in Schlotheim tätig ist, möchte sich selbst sagen können, „dass ich etwas bewirkt habe.“ Es ist ein Stück Selbstvertrauen und Selbstachtung, das ihm sein Beruf schenkt. Denn von einem ist Alexander Kunz überzeugt: „In der Pflege ist niemand ersetzbar.“

Pflegehelden - Alexander Kunz und Jessica Erben

Erdmuthe Heise treiben diese Bekenntnisse des jungen Pflegers fast die Tränen in die Augen. Sie ist Pflegedienstleisterin des ambulanten Pflegedienstes Heise in Gera. Und sie weiß, wie schwer es ist, Nachwuchs für den Pflegeberuf zu finden. Deshalb ist sie froh, dass es ihr erst kürzlich gelungen ist, jemanden zur Rückkehr in den Beruf zu bewegen.

Alexander Kunz ist eines der Gesichter, die die Kampagne „Pflege braucht Helden“ geprägt haben. Vor zwei Jahren ging die Kampagne an den Start, die das Image des Pflegeberufes heben sollte und junge Menschen für einen beruflichen Start in den Pflegeberufen gewinnen sollte. Das scheint gelungen. Denn im vergangenen Jahr wurde in Thüringen die Schallmauer von 2000 Auszubildenden in den Pflegeberufen durchbrochen.

Natürlich ist Alexander Kunz häufig auf die landesweite Kampagne angesprochen worden. Aber immer mit einem gewissen Anflug von Anerkennung und Respekt, dass er bei der Kampagne mitgemacht hat, wie er bei einer Pressekonferenz der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege zur Situation der Pflege in Thüringen erzählt. Auch Jessica Erben ist eines der Gesichter der Kampagne. Auch ihre Beteiligung an der Kampagne ist in ihrer Umgebung, in ihrem Freundes- und Familienkreis aufgefallen. Ihre Chefin, Erika Thomas, die Einrichtungsleiterin des Seniorenwohnparks in Schlotheim freut sich für ihre jungen MitarbeiterInnen. „Die Heldenkampagne ist eine tolle Idee. Wir haben sofort eine positive Resonanz auf das Ganze bekommen.“ Die Kampagne strahlte weit über die direkt Beteiligten hinaus. „Auch die anderen Kolleginnen und Kollegen im Haus sind stolz, dass zwei unserer jungen Leute an der Imagewerbung beteiligt sind.“ Und sie bekam den Wunsch anderer zu hören: „Ich möchte auch mal ein kleiner Held sein.“

Für Erika Thomas ist es enorm wichtig, dass die Kampagne weitergeht, dass weiter in der Öffentlichkeit für den Pflegeberuf geworben wird. Denn Fachkräfte werden in Thüringen gebraucht, mehr als derzeit vorhanden sind. Die Fachkräftelücke in Thüringen wird von Experten bis zum Jahr 2030 auf fast 8000 geschätzt. Hinzu kommen Rahmenbedingungen, die verbessert werden müssten. Beispielsweise, was die Bezahlung anbelangt.

Erika Thomas, die Einrichtungsleiterin des Seniorenwohnparks in Schlotheim

Das Gehaltsniveau ist nach Angaben des LIGA-Vorsitzenden Reinhard Müller in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, gemeinsam mit den anderen Partnern des Pflegepaktes habe man sich auf diesen Weg begeben. Aber die bisher unternommenen Schritte seien noch nicht ausreichend, so Müller.

Sozialministerin Werner, Profiler des PARITÄTISCHEN Kaczmarek, LIGA-Vorsitzender Müller

Auch Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linkspartei) sieht die niedrigen Löhne als „die Achillesferse in der Pflege in Thüringen“ an. Nach ihrer Meinung werde man dauerhaft den Fachkräftebedarf nur decken können, wenn es gelinge, die Lohnlücke zu den westdeutschen Nachbarländern zu schließen. Sie verwies darauf, dass derzeit Pflegefachkräfte in Bayern und Hessen bis zu 600 Euro mehr im Monat verdienten. „Dies ist auch ein Grund dafür, dass trotz höherer Ausbildungszahlen, Pflegeunternehmen in Thüringen Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen haben.“

Müller wies darauf hin, dass für die Attraktivitätssteigerung ein ganzes Bündel an Maßnahmen notwendig sei. Für die Pflegeberufe müsse offensiv geworben werden, es müsste nach hochintelligenten Teilzeit-Lösungen für die Pflegekräfte gesucht werden, ihnen müssten größere Aufstiegschancen geboten werden. Und wichtig sei es, die Beschäftigten auch länger in den Pflegeberufen zu halten. An all diesen Stellschrauben müsse in der Zukunft gedreht werden. Daran werde man auch im Rahmen des Thüringer Pflegepaktes weiter arbeiten.

Über „belastende Rahmenbedingungen“ berichtete auch Erdmuthe Heise. Aber eins steht für sie auch fest: „Auch meine MitarbeiterInnen fühlen sich als Helden.“

Jürgen
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